
LES MISÉRABLES
BERICHTE
14.07.2025
Vor der prächtigen Kulisse des Hartberger Schlosses geriet die Weltpremiere des Musicals „Les Misérables" zu einem grandiosen Erfolg. Es war ein Spektakel um Liebe, Kampf und Leidenschaft.
Um aus Victor Hugos weit über 1000 Seiten umfassenden sozialkritischen Bestseller-Roman „Les Misérables" ein Musical zu destillieren, bedarf es harter Knochenarbeit und hochtalentierten Geschicks. Musikschuldirektor Alois Lugitsch, langjähriger Intendant der Muscial Festspiele Schloss Hartberg, und sein Librettist Ernst Körbler haben sich dieser wahren Herkulesaufgabe mit Bravour gestellt. Vom beeindruckenden Resultat wurde es dem Mehrgenerationen-Publikum bei der Uraufführung im Hartberger Schlosshof trotz der unterkühlten Außentemperaturen sichtlich warm ums Herz. Großen Anteil daran hatte die flotte wie kurzweilige Inszenierung von Regisseur Charly Vozenilek in Kombination mit den von Kaya Lasika einstudierten subtilen Tanzeinlagen. Die graziösen Tänzerinnen verkörperten dabei im metaphorischen Sinn den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse, der sich als latenter innerer Konflikt manifestierte.
Die Hauptfigur des zeitlich im politisch zerrissenen Frankreich der Post-Napoleon-Ara angesiedelten Plots, der Ex-Häftling Jean Valjean - eine Paraderolle für Thomas Schleimer - verkörpert diese innere Zerrissenheit. Die elenden Lebensumstände ließen ihn notgedrungen zum Dieb werden, bevor er durch die gnadenvolle Begegnung mit Bischof Myriel von Digne, den Erwin Holub mit spirituellem Charisma spielt, ein Erweckungserlebnis zur persönlichen Läuterung erfährt.
Der Ganove, der seine Identität anfänglich verleugnet, mutiert zu einem rechtschaffenen Mann und großzügigen Wohltäter Die Liebe zu seiner Adoptivtochter Cosette, gefühlsecht dargestellt von Valentina Ganster, ist sein wahres Lebenselexier: Balsam für die Seele und Stärkung des Charakters. Viel Charakter zeigen auch Noa Rodler-Bork. in der Rolle des jungen Advokaten Marius, dessen Herz in der Liebe zu Cosette entflammt ist, und Julia Wetzelberger als deren aufopfernde, notleidende Mutter. Überzeugend agiert auch Tobias Lugitsch als obrigkeitshöriger Inspektor Javert. Ein großes Pauschallob verdient sich das gesamte Ensemble, das im heftigen, blutgetränkten Wetterleuchten der Revolution gegen die revisionistischen Machthaber zur Bestform aufläuft und mit sichtlicher Spielfreude restlos zu überzeugen weiß. Auch gesanglich wie musikalisch
- die Philharmonia Steiermark glänzte unter der dynamischen wie präzisen Stabführung von Alois Lugitsch - ließ die sehenswerte Aufführung nichts zu wünschen übrig. Vom begeisterten Publikum gab es stürmischen Applaus.
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Bericht Kleine Zeitung, Franz Brugner
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